Alice Hoffmann

"Who the Fuck is Alice?"

Kurzbiographie eines langen Lebens

Wenn man die Leute auf der Strasse fragt:

„Kennen Sie Alice Hoffmann?“

So werden viele verneinen. Wenn man sie dagegen nach

„Hilde Becker“

fragt, werden die meisten schmunzelnd bejahen. Denn mit der Rolle der „Hilde Becker“ ist Alice Hoffmann durch 24 Folgen der ARD-Comedyserie „Familie Heinz Becker“ bundesweit bekannt geworden.

Diese Rolle ist aber nur ein verschwindend geringer Ausschnitt im Leben und der Arbeit der Schauspielerin und Autorin Alice Hoffmann. Was zum Beispiel die meisten nicht wissen und auch nicht für möglich halten: sie ist keine Saarländerin.

Sie kam erst im Alter von vierzehn Jahren aus der Kölner Gegend in das Saarland und musste sich den saarländischen Dialekt ebenso hart erarbeiten wie die sechs anderen Fremdsprachen, die sie mehr oder weniger beherrscht (englisch, französisch, niederländisch, hebräisch, italienisch und spanisch).

Nach dem Abitur und einigen Semestern Soziologie und Psychologie an der Universität des Saarlandes schloss sie das Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Saarbrücken ab. Es folgten Engagements am Saarländischen Staats- und Landestheater, u.a. auch in Kinder-Musicals.

Parallel dazu verlief ihr zweites Leben:

Männer, Frauen, Kinder (zwei „eigene“, ein Adoptivsohn, zwei Pflegetöchter).

Alice arbeitete in der Kostenrechnung einer saarländischen Brauerei, machte Telefondienste für den französischen Sender Europa 1, lief sich als Hostess auf der Saarmesse die Füße wund, putzte in Privatwohnungen (nicht nackt) und spülte in Pizzaküchen. Als Bedienung schlichtete sie Schlägereien in Kneipen und Bars und verkaufte selbst getöpferte Keramik ihres Lebensgefährten auf Märkten.

Sie war Mitbegründerin des Kinder- und Jugendtheaters „Überzwerg“ und des Chanson- und Tanz-Kabaretts „’s Irene“. Das „’s Irene“-Erfolgsstück (Auftritte z.B. in Oldenburg und Wilhelmshaven vor je 8oo Leuten, Mitschnitt des ZDF aus dem Mainzer Unterhaus) trug den Titel des darin enthaltenen eigenen Chansons von Alice Hoffmann „Komm, ich hab Lust auf Dich“.

Seit 1972 arbeitet Alice Hoffmann als freie Mitarbeiterin beim Saarländischen Rundfunk als Moderatorin, Sängerin, Sprecherin und Darstellerin in Hörspiel- und Fernsehproduktionen. Es folgten Arbeiten für die Sender WDR, NDR und HR.

Im „Ehrenwerten Haus“ stand sie als esoterisch angehauchte Nymphomanin „Puppa“ erstmals auch im Fernsehen im krassen Gegensatz zu der naiven, lieben aber doofen Hausfrau „Hilde“ aus der Serie „Familie Heinz Becker“. Die leicht gealterte Sexbombe wirkte so echt auf die Opfer der Versteckten Kamera, dass sie während der sechsmonatigen Dreharbeiten keiner als „Hilde“ - die ja schon bundesweit mit höchsten Einschaltquoten bekannt war - entlarven konnte. Einige Zuschauer glaubten, die Alice Hoffmann, die die „Hilde Becker“ spielt müsse eine andere Alice Hoffmann sein als die, die die „Puppa“ spielt.

Seit 2001 nutzt die ARD beim „Tatort Saarbrücken“ die Beliebtheit der „Hilde“ und verpflichtete Alice Hoffmann als Sekretärin des Kommissars „Palü“ : Zu sehen ist sie in der Rolle der Frau Braun, einem nicht ganz so lieben und naiven, aber doch typisch saarländischen Faktotum, dass mit grenzenloser Neugier hin und wieder auch mal die Lösung eines Falles vorantreibt.

Seit 1981 steht Alice mit eigenen Programmen solo auf der Bühne, zuletzt vorwiegend als Sängerin in dem Jazz-Kabarett „Alice’s Wunderland“ (Autobiographie einer Alt-68-erin).

1994 stieg sie aus der „Familie Heinz Becker“ aus. Sie ist aber nach wie vor in den entsprechenden Wiederholungen zu sehen ist. Dauerbrenner: Die Weihnachtsfolge „Alle Jahre wieder“ (24.12. um 18.30 auf ARD).

Kurz nach dem Ausstieg hat der saarländische Erfolgsautor Gerhard Bungert, der seiner Zeit zusammen mit Gerd Dudenhöffer die Figur des „Heinz Becker“ schuf, für Alice Hoffmann die Figur der „Vanessa Backes“ ins Leben gerufen. Er schrieb ab 1998 die Stücke:

  • Vanessa Backes: Kommedie oder kommedie net?“
  • Vanessa Backes und die Marienerscheinungen von Marpingen“
  • Vanessa Backes in „Mallorca“

In dieser Rolle der Frau Backes ist Alice Hoffmann seit Oktober 2003 jeden Sonntag auf SW 3 in der Kabarett-Serie „Spaß aus Mainz“ zu sehen.

Nicht nur das Publikum sondern auch Journalisten, die Alice Hoffmann bisher nur als „Hilde“ kannten, waren nach „Mallorca“ von ihre sängerischen Leistungen überrascht. So liest man in den Zeitungskritiken Sätze wie:

„Auch im Steppen und dann natürlich auch gesanglich zu den eigens für dieses Stück von Gerhard Bungert geschriebenen Liedern, begeisterte Alice Hoffmann immer wieder das Publikum.“

„Sie beweist ihre Vielseitigkeit nicht nur in mehreren eingängigen Liedern – den eigentlichen Höhepunkten des gelungenen Comedy-Programms – sondern steppt und bellt (!) in einer hellen Dackelstimme den Radetzky-Marsch. Sie habe schon früher ihren Sohn immer in den Schlaf gebellt, erklärt sie. Warum eigentlich, sie hat Stimme und kann singen!“
(Rheinpfalz, 13. Mai 2002)